AOK Sachsen Cup 2005
Wilde Prinzen - Zahme Fürsten
Ein Bericht von Sebastian Manigk* über den AOK-Sachsen-Cup in Dresden
„Heute früh wurde ich durch den Donner der Kanonen geweckt und erfuhr beim Aufstehen, daß dem Hause ein Prinz geboren war. Vielleicht macht der Herr in seinem Leben nicht wieder so viel Lärm, als bei seiner Ankunft auf unserm Planeten. Die Fürsten dieses Hauses sind zum Glück ihrer Länder seit mehr als einem Jahrhundert meistens Kinder des Friedens. Dadurch werden die Verdienste gewiß erhöht, und ihr Mut wird doch nicht mehr problematisch, als ob sie Schlachten gewännen.“
(J. G. Seume: Spaziergang nach Syrakus: Dresden 9. Dez. 1801)
Wie ein wilder Prinz, so spielte Sven Hering (USV Halle) im „Florenz des Nordens“, die Bretter in asymmetrischen Positionen zum Brennen zu bringen. Die mit so manch gewagt, genialen Figurenopfern gespickten Partien würden den Gegnern in Initiativgefechten bald Zeit, bald Partie rauben.
Einzig die dritte Partie war ein Kampf wie gegen Windmühlen, die an unserem Don Quichotte völlig vorbei lief. Als ob er nicht am Brett gesessen hätte, meinte er später störrisch diese Begegnung im Kopf verloren zu haben. Umso erstaunlicher seine Rückkehr in den Folgekämpfen, in denen er gegen die DWZ- Stärksten 3,5 von 4 Punkten holte und damit bereits den Turniersieg in der C- Gruppe sicher haben sollte.
Unter der Regentschaft Sancho Pansas* würde aber noch ein weiterer Spieler die Medaillenränge erklimmen, der zahme Fürst Oliver Schunke (VfB 07 Lettin). Mit einer legendären Leistung sicherte er sich den dritten Platz in der stark besetzten E-Gruppe, die er nach Aussage des Knappen dominierte. Mit zumeist ruhiger Partieanlage zerdrückte er seine Gegner strategisch, bis diese hilflos in seine Remisangebote einwilligten.
Oftmals fehlte unserem Souverän der Mut die gewonnenen Positionen auszuspielen, was ihn, ohne überhaupt verloren zu haben, zuwenigst 1,5 Punkte kostete und den Spannungsbogen auch in der letzten Runde nicht abreißen ließ. Alles in allem aber ein erfolgreiches Turnier, dass von Bernd Salewski in guter Manier geleitete wurde und hungrig auf Folgende macht.


Einziger Wehrmutstropfen war das Abschneiden von Jürgen Gutsche (USV Halle), der sehr unglücklich spielte und in seiner Gruppe den vorletzten Rang belegte.
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