Vom 3. bis zum 7. Februar 2009 fand die diesjährige Landesmeisterschaft der Jugend in Güntersberge statt. Ich war qualifiziert, und so startete ich in der Altersklasse U18m, in der 8 Spieler im Rundensystem gegeneinander antraten. Ich war von meiner DWZ an 5 gesetzt, angesichts der starken Konkurrenz aus Magdeburg hatte ich jedoch überhaupt keine Titelambitionen und so stand nichts im Wege, völlig ungezwungen zu spielen. Dennoch war mir natürlich bewusst, dass keiner der Teilnehmer zu unterschätzen ist.
In der ersten Runde, die schon am Nachmittag des Anreisetags stattfand, traf ich auf David Rickmann. Ich konnte Initiative am Damenflügel entwickeln, in Zeitnot stellte er die Qualität ein und gab auf. Für mich überraschend trennten sich Marcel Schulz und Florian Brüggemann remis, nachdem ersterer zunächst besser stand.
In der zweiten Runde spielte ich gegen Sören Hoffmann. Ich konnte mir eine vorteilhafte Stellung erspielen, doch dann fand ich nicht mehr die besten Züge, ließ Gegenspiel zu, kam in Zeitnot und übersah eine Springergabel mit Qualitätsverlust. Eine bittere und sinnlose Niederlage. Die dritte Runde bescherte mir Eric Gröger. Bei der Bezirksmeisterschaft verlor ich gegen ihn den Stichkampf um den Bezirksmeistertitel, daher wollte ich unbedingt gewinnen. Nach einigen Manövern auf beiden Seiten wurde die Partie urplötzlich äußerst scharf. Beide Könige wurden aus ihren Verstecken geholt und eine Vielzahl von Drohungen und Möglichkeiten erschien plötzlich auf dem Brett. In beiderseitiger knapper Zeit waren sie kaum alle zu erkennen. In diesem Gemetzel übersah Eric ein Matt, was mir meinen zweiten Punkt bescherte. Während ich gegen Eric spielte, konnte ich am Nachbarbrett sehen, wie David Homburg gegen Sören patzte und eine Figur und später dann die Partie verlor. Noch mehr verwunderte mich dann die Niederlage Florians gegen David Rickmann, immerhin kamen in dieser Runde beide Favoriten zu Fall. Gegen einen von ihnen, Florian, hatte ich am nächsten Tag in der vierten Runde zu spielen. Die Eröffnung bescherte mir einen strategischen Vorteil, den ich jedoch nicht umsetzte, wonach ein für mich wahrscheinlich schlechteres Endspiel entstand. Doch ich sah nicht, wie er gewinnen könnte, nach fast fünstündiger Spielzeit entschloss er sich zu einem zweifelhaftem Gewinnversuch, der wiederum mir wieder Vorteil bescherte. Bei genauem Spiel und mehr Zeit hätte das dann entstandene Endspiel siegreich für mich ausgehen können, jedoch spielte ich in hochgradiger Zeitnot ungenau und das Remis stand fest.
David Homburg indessen patzte ebenfalls gegen David Rickmann. In der fünften Runde saß mir Marcel Schulz mit den weißen Steinen gegenüber, der bislang noch ungeschlagen war. Ich spielte die Eröffnung sehr schlecht und bekam eine nachteilige Stellung bei entgegengesetzten Rochaden mit einem sehr schlechten Läufer. Für mein Empfinden spielte er jedoch nicht energisch genug, und ich inszenierte zumindest ein Gegenspiel gegen seinen König. In der Folge entschied ich mich, einen Springer gegen die a- und b-Bauern zu geben. Objektiv gesehen war die Stellung trotzdem nachteilig für mich. Allerdings hatte dieser Tausch zur Folge, dass der weiße Monarch wieder ins Zentrum getrieben wurde, einige weiße Angriffsfiguren getauscht und obendrein zwei schwarze Bauern auf a5 und b4 standen, die potentiell gefährlich sind. Daher war die Partie noch keinesfalls entschieden und aus praktischer Sicht für beide Seiten nicht trivial zu spielen. Marcel führte daraufhin prompt einen Damenzug aus, der im höheren Sinne verliert, da nach einem Damenschach die weißen Figuren aufgrund des unglücklich postierten weißen Königs den a-Bauern nicht mehr aufhalten konnten. Dennoch hatte auch Marcel noch Trümpfe, er fand eine starke Entgegnung in der Absicht, auf meinen König zu spielen, die ich jedoch widerlegen konnte und die Partie für mich entscheiden konnte.
Sören überspielte Florian in einer sehenswerten Partie, wonach ersterer und ich plötzlich Favoriten waren. Wer hätte das gedacht, immerhin waren wir an 5 bzw. 8 gesetzt. In der sechsten Runde spielte ich mit Weiß gegen David Homburg. Der auf dem Brett entstandene Drachen ging aufgrund früher Figurentauschungen jedoch früh ins Endspiel über, das ich nicht richtig behandelte. Lange Zeit sah es dennoch remis aus, nach fast 5-stündiger Spielzeit jedoch hatte ich einen Blackout und unterließ einen mir das remis sichernden Zwischenzug, den ich kurz davor noch beabsichtigte auszuführen. So verlor ich doch noch das Endspiel. Sören verlor aber auch, sodass nach dieser 6. Runde noch sage und schreibe 7 Spieler theoretische Titelchancen hatten! In der letzten Runde musste ich noch mit schwarz gegen Christian Daus spielen. Er hatte bislang 0 Punkte erzielt, doch genau dies stellte aus psychologischer Sicht eine Hürde dar, erst zu diesem Zeitpunkt war mir wirklich klar, dass ich Landesmeister werden könnte. Schritt für Schritt konnte ich meine Stellung verbessern, wobei Christian nicht die besten Züge fand. Es war aber auch nicht leicht für mich, Fortschritte zu erzielen, so investierte ich viel Bedenkzeit. Dies sollte sich jedoch auszahlen, da mein Angriff durchschlug. Ich übersah zwingenderere Gewinnmöglichkeiten, aber ich hatte wenig Zeit und war obendrein noch ziemlich nervös. Nach einem taktischen Schlag im 40. Zug bei sehr wenig Restbedenkzeit, streckte er die Waffen, wonach ich der neue Landesmeister der U18 von Sachsen-Anhalt war.


