3. Platz bei den Deutschen Meisterschaften für Tanja
Die Offene Deutsche Meisterschaft der Frauen
Ein Bericht von Tanja Pflug
Die Offene Deutsche Meisterschaft der Frauen fand in diesem Jahr in Gladenbach bei Marburg statt. Vier Wochen vor Turnierbeginn hatte der ursprüngliche Ausrichter Hungen abgesagt und der Schachförderverein Caissa 2000 sprang ein, um die Meisterschaft doch noch zu retten. Um so bemerkenswerter war es, dass die Teilnehmerzahl im Vergleich zur Veranstaltung von vor zwei Jahren fast verdoppelt werden konnte. Hotel und Wetter versprachen eine erholsame Zeit und so widmete ich mich Samstag Nachmittag entspannt der ersten Runde. Nach meiner fast zweijährigen Turnierpause wurde diese Partie aber schwieriger als erwartet und endete in einem für mich durchaus glücklichen Unentschieden. In der Folge nahm ich jedoch mehr und mehr Fahrt auf. Nach einem strategischen Bauernopfer besiegte ich in der zweiten Runde die an vier gesetzte Britta Leib nach nur 19 Zügen und in Runde drei gelang der erste volle Punkt mit Weiß. Zugleich teilten die bis dahin führenden Antje Fuchs und Heike Vogel die Punkte, so dass ich mich am nächsten Tag im Kampf um die Meisterschaft wieder fand. Zwar sollte ich gegen Heike Vogel die schwarzen Steine führen, fühlte mich aber in der Verteidigerrolle gar nicht so unwohl. Mein Holländer wurde sofort mit 2.g4 attackiert und nachdem ich eine gute Möglichkeit auf Gegenspiel ausließ, entwickelte sich ein Spiel auf das schwarze Lager, in der meine Gegnerin ihrerseits einige klare Gewinnchancen ausließ. Es entstand eine Stellung mit Minusqualität gegen zwei verbundene Mehrbauern, die für mich sogar gewonnen war. Stattdessen gelang Weiß unter Rückgabe der Qualität die Eroberung der Freibauern und man einigte sich schließlich auf Remis. Der Farbausgleich für die Führende sorgte dafür, dass ich auch gegen Antje Fuchs Schwarz hatte. Nach zweischneidiger weißer Eröffnungsbehandlung opferte ich früh eine Figur für drei Bauern und einen in der Mitte festgenagelten König, verpasste aber den schnellen Knock out. Etwas glücklich erreichte ich ein Endspiel mit zwei weit vorgerückten verbundenen Freibauern, die mir den Sieg einbrachten. Somit standen 1,5 Punkte gegen die vor mir gesetzten Spielerinnen zu Buche und das Treppchen schien mit 4 Punkten nach den ersten fünf Runden plötzlich zum Greifen nahe. Zur vorentscheidenden Partie gegen Ursula Hielscher (nachfolgend kommentiert) kam sogar ein Edelkibitz aus dem Landesverband in Person des Frauenschach-Referenten Dan-Peter-Poetke. Beflügelt von den Runden zuvor und verkrampft aufgrund der Aussichten, verpasste ich jedoch die einfache Gewinnführung und ließ mich zu einem Qualitätsopfer hinreißen, dass von vielen Anwesenden mit einem Kopfschütteln quittiert wurde. Die Partie ging am Ende auch verloren. Das Opfer war jedoch keineswegs so schlecht, wie es den Anschein hatte: der Qualität muss jedoch ein Turmopfer folgen (siehe Partie). Durch die Niederlage waren Meisterschaft und Platz zwei jedoch passé. Auch Platz drei rückte in weite Ferne. An Brett eins spielte Heike Vogel schnell Remis gegen Maria Franzenburg, an Brett zwei sah alles nach einem Sieg von Antje Fuchs gegen Ursula Hielscher aus. Mein halber Punkt in der letzten Runde gegen eine stark spielende Frau Dr. Gabriele Just reichte schließlich mit denkbar knappen Abstand von einem halben Buchholzpunkt zu Platz drei. Dieser war aufgrund der Ergebnisse gegen die vor mir gesetzten Spielerinnen insgesamt nicht unverdient. Für den Landesverband bedeutet dieser Erfolg einen zweiten Startplatz bei der kommenden Deutschen Meisterschaft.

(1) Pflug,Tanja (2042) - Hielscher,Ursula (1859) [A03]
DEM2010 Gladenbach (6.1), 20.07.2010
[Kommentiert von Sebastian Manigk]
{pgn}1.f4 Sf6 2.Sf3 g6 3.g3 Lg7 4.Lg2 0–0 5.0–0 d5 6.d3 c6!? Eine interessante Idee, die die geschwächte Diagonale a7-g1 auszunutzen versucht und mit einer Doppeldrohung mittels Db6 und Sg5 sowohl b2 als auch f2 aufs Korn nimmt. Mit vertauschten Farben gibt es diesen Zug auch im Leningrader System der Holländischen Partie und wurde dort auch schon von Anand gespielt. Wie der Partieverlauf zeigt, gibt das Mehrtempo hier jedoch einige zusätzliche Optionen. 7.c3 Ist gegen die schwarze Idee gerichtet. 7...Db6+ 8.Kh1 Sg4 Schwarz bleibt bei seinem Plan. Doch ist dieser Zug nach 7.c3 weniger kraftvoll als er im ersten Moment scheint. 9.De1 Se3 10.Lxe3 Dxe3 11.d4! Nur so wird die Idee des Zuges c3 konsequent umgesetzt. Die Dame steht auf e3 nicht gut und droht verloren zu gehen. 11...Lg4 12.Sbd2 Etwas forcierter scheint 12.h3 zu sein, da Schwarz so das Läuferpaar aufgeben muss und Weiß mit e4 die Möglichkeit der Stellungsöffnung behält. Der Rückzug des Läufers würde bereits Material verlieren [z.B. 12.h3!? Lf5 13.Sg5 droht Tf3! 13...Le4 14.Sxe4 dxe4 15.Sa3 nebst Sc2] 12...De6 13.Sg5 Dc8 14.h3 Ld7 Nach langem Marsch ruhen sich die schwarzen Figuren in der eigenen Stellung aus. 15.Kh2 Sa6 16.g4?! Aggressiv gespielt. Die Idee ist ganz klar Dh4 mit Angriff auf die schwarze Königsstellung. Allerdings wird der Bauer auf f4 und der weiße Monarch geschwächt, so dass die beiden Züge 16. ... Dc7 nebst 17. ... f5 Möglichkeiten zu gutem Gegenspiel bieten. [16.e4!? erscheint einfacher zu sein.] 16...Sc7?! ... ist zu passiv. Nun wird der weiße Raumvorteil zu einem deutlichen Plus. 17.Dh4 h6 18.Sgf3 De8 19.Tae1 e6? ... parkt nun auch noch Ld7 und Sc7 zuverlässig hinter den eigenen Bauern. 20.e4 Dd8 21.Dg3 [21.g5!? h5 22.Se5] 21...dxe4 22.Sxe4 Sd5 23.Se5 Lc8 24.g5 h5 25.Lf3 Lxe5?? Tauscht den wichtigen schwarzen Schutzläufer und lässt eine kaputte Königsstellung zurück. 26.fxe5+- Weiß steht auf Gewinn! Der Bauer f7 ist äußerst anfällig. Weiß sollte hier seine Türme auf der f-Linie verdoppeln und mit Sd6 weiter Druck gegen diesen Punkt machen. 26...Kg7 27.Dh4?! Dieser Zug Macht keinen Sinn, da seine einzige Idee Lxh5 mit Th8 beantwortet wird. 27...Th8 28.Sg3!? Sieht doch arg gekünstelt aus. In der Folge verliert sich das weiße Spiel in kreativen, aber viel zu komplizierten Gewinnideen. 28...Se7 29.Le4 Sf5 30.Df4 Ld7 31.Lc2 Db6 32.Sxf5+ exf5 33.e6 Lxe6 34.Txe6 fxe6 35.De5+ Kh7 36.Dxe6? [36.Txf5 Wenn schon opfern, dann auch mit Macht! Die Variante führt forciert zum Remis und bietet der Gegnerin die Möglichkeit fehlzugreifen. 36...gxf5 (36...exf5? 37.De7+ Kg8 38.De6+ Kf8 39.Df6+ Kg8 40.Dxg6+ Kf8 41.Dxf5+ Kg8 42.Dg6+ Kf8 43.Df6+ Kg8 44.Lb3+; 36...Thf8? 37.Tf6 Dxb2 38.De4 Txf6 39.gxf6 Tg8 40.f7) 37.Lxf5+ exf5 38.Dxf5+] 36...Dc7+–+ Und am Ende ging die Partie sogar noch verloren. 37.Kg2 The8 38.Dc4 De7 39.h4 De2+ 40.Dxe2 Txe2+ 41.Tf2 Txf2+ 42.Kxf2 Te8 43.b3 Kg7 44.Ld3 b5 45.Lc2 Kf7 46.b4 a5 47.bxa5 Ta8 48.Kf3 Txa5 49.Kf4 Ke7 50.Lb3 Ta7 51.Ke5 Tc7 52.c4 bxc4 53.Lxc4 Tc8 54.d5 cxd5 55.Lxd5 Tc3 0–1{end-pgn}